Samstag, 25. September 2021

[Rezension] Barbara stirbt nicht I Alina Bronsky

 

Autor: Alina Bronsky
Titel: Barbara stirbt nicht
Verlag: KiWi
Ausgabe: Hardcover
Seiten: 256

Buchinfo
Herr Schmidt taut auf.

Walter Schmidt ist ein Mann alter Schule: Er hat die Rente erreicht, ohne zu wissen, wie man sich eine Tütensuppe macht und ohne jemals einen Staubsauger bedient zu haben. Schließlich war da immer seine Ehefrau Barbara. Doch die steht eines Morgens nicht mehr auf. Und von da an wird alles anders.

Mit bitterbösem Witz und großer Warmherzigkeit zugleich erzählt Alina Bronsky, wie sich der unnahbare Walter Schmidt am Ende seines Lebens plötzlich neu erfinden muss: als Pflegekraft, als Hausmann und fürsorglicher Partner, der er nie gewesen ist in all den gemeinsamen Jahren mit Barbara. Und natürlich geht nicht nur in der Küche alles schief. Doch dann entdeckt Walter den Fernsehkoch Medinski und dessen Facebook-Seite, auf der er schon bald nicht nur Schritt-für-Schritt-Anleitungen findet, sondern auch unverhofften Beistand. Nach und nach beginnt Walters raue Fassade zu bröckeln – und mit ihr die alten Gewissheiten über sein Leben und seine Familie.
(Quelle: Lovelybooks)

Anfang
Als Herr Schmidt Freitagfrüh aufwachte und den Kaffeeduft vermisste, dachte er zuerst, dass Barbara im Schlaf gestorben sein könnte. Das war zwar eine absurde Vorstellung - Barbara war gesund wie ein Pferd -, noch abwegiger schien allerdings die Möglichkeit, dass sie verschlafen haben könnte. Sie verschlief nie.

Meine Meinung
Bereits nach dem ersten Satz wusste ich, dass ich dieses Buch definitiv lesen muss! Es ist die Art zu schreiben, die mich packt und abholt, auf eine Reise mitnimmt, bei der ich lachen und traurig sein kann - und ganz genau so war es hier. Allerdings fehlte mir der runde Schluss, für den es dann auch den fünften Stern noch gegeben hätte.

Er hatte ihr zur goldenen Hochzeit eine neue Küche geschenkt, ein Sammelgeschenk für all die anderen Hochzeitstage und Geburtstage, an denen er nichts geschenkt hatte, und auch für die künftigen, an denen er nichts schenken würde.
(Seite 7)

Walter und Barbara Schmidt sind die Art Ehepaar, bei denen alles aus den Fugen gerät, wenn ein Teil nicht mehr so funktionieren kann, wie es das sollte. Barbara fällt aus und plötzlich muss Walter sich selbst um 180 Grad drehen und vom Egoisten zum empathischen Versorger werden.

Er musste jetzt Barbara sein, für sich selbst und für Barbara.
(Seite 82)

Walter Schmidt ist ein ziemliches Ekel. Verheiratet mit einer Russin, ist er eigentlich ein ziemlicher Rassist. Barbara darf keine Gerichte aus ihrer Heimat kochen, mit "denen" will Walter sowieso nichts zu tun haben und eigentlich können alle froh sein, dass er Barbara mit passender Strenge ihre harte Aussprache ausgetrieben hat. Geschlagen hat er sie allerdings nie, was er mit einem fast stolzen Unterton erwähnt. Nicht zu vergessen ist der (achtung, Klischee) deutsche Schäferhund Helmut, der aber seiner Rasse auch keine Ehre macht und ein ziemlicher Feigling ist. 
 
Doch je länger Barbara ausfällt, umso sympathischer wird Walter. Er merkt plötzlich, dass so ein Haushalt doch ganz schön viel Arbeit macht und es ziemlich unbefriedigend ist, wenn alles für selbstverständlich genommen wird. 

Ich konnte von Seite zu Seite immer mehr Positives an Walter entdecken und die Autorin lässt die Lesenden langsam aber sicher seine Schale knacken. Auch Walter selbst bemerkt Veränderungen an sich und beginnt nach und nach sein Leben zu reflektieren und darüber nachzudenken, wie es hätte verlaufen können, wenn er an gewissen Punkten andere Entscheidungen getroffen hätte.

Das Buch lässt mich mit ein paar offenen Fragen und einem Ende zurück, das mitten in einer Situation endet, die ich gerne noch weitererzählt bekommen hätte. Aus diesem Grund gibt es von mir nur vier Sterne, sonst wären es die ganz dicke und nach Kaffee duftende volle Punktzahl gewesen.

Fazit
Diese humorvolle, aber auch berührende Geschichte, hat mich von einem Gefühl zum nächsten gejagt. Auch wenn ich öfters mal meinen Kopf über Walter schütteln oder laut durch die Nase einatmen musste, habe ich ihn auch irgendwie lieb gewonnen.

Wäre das Ende nicht so plötzlich und abgeschnitten gekommen, hätte ich diesem Buch unglaublich gerne die vollen fünf Sterne gegeben, denn prinzipiell hätte es das definitiv verdient!


Ich danke dem Verlag und Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar! Dass mir das Buch zur Verfügung gestellt wurde beeinflusst weder meine Meinung, noch meine Bewertung.

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