Dienstag, 29. Januar 2019

[Rezension] Tödliche Spiele I Suzanne Collins


Autor: Suzanne Collins
Titel: Tödliche Spiele
Reihe: Die Tribute von Panem (01)
Verlag: Oetinger
Ausgabe: Hardcover
Seiten: 415
Übersetzt von Sylke Hachmeister und Peter Klöss

Buchinfo
Nordamerika existiert nicht mehr. Kriege und Naturkatastrophen haben das Land zerstört. Aus den Trümmern ist Panem entstanden, geführt von einer unerbittlichen Regierung. Alljährlich finden grausame Spiele statt, bei denen nur ein Einziger überleben darf. Als die sechzehnjährige Katniss erfährt, dass ihre kleine Schwester ausgelost wurde, meldet sie sich an ihrer Stelle und nimmt Seite an Seite mit dem gleichaltrigen Peeta den Kampf auf. Wider alle Regeln rettet er ihr das Leben. Katniss beginnt zu zweifeln – was empfindet sie für Peeta? Und kann wirklich nur einer von ihnen überleben? (Quelle: Lesejury) 

Anfang
Als ich aufwache, ist die andere Seite des Bettes kalt. Ich strecke die Finger aus und suche nach Prims Wärme, finde aber nur das raue Leinen auf der Matratze. Prim muss schlecht geträumt haben und zu Mutter geklettert sein. Natürlich. Heute ist der Tag der Ernte.

Meine Meinung
Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich zu der Grundstory noch groß was sagen muss, denn eigentlich kennt doch jeder die Geschichte um Panem, oder? Zumindest grob? Nein?

Wo früher Nordamerika war, ist heute Panem. Eingeteilt in das Kapitol (als Zentrum und quasi Krone der Schöpfung) und 12 Distrikte (die mit steigender Zahl an Glanz und Luxus abnehmen) unterliegen die Bewohner ihrem Präsidenten Snow.
Nach einer fehlgeschlagenen Revolte werden jedes Jahr die Hunger Spiele veranstaltet. Aus jedem Distrikt wird ein Kind/Jugendlicher jedes Geschlechts ausgelost, der in die Arena einziehen und um sein Leben kämpfen muss. Der Sieger, und somit letzte Überlebende, führt fortan ein ruhiges Leben mit einem gewissen Luxus und ohne Hunger leiden zu müssen - ganz egal aus welchem Distrikt er oder sie kommt.

Bei der Auslosung müssen alle möglichen Kandidaten anwesend sein. Als Katniss' kleine Schwester Prim gezogen wird, meldet sie sich freiwillig als Tribut. Ihr ist klar, dass Prim nicht lange überleben und nur wenn sie selbst als Sieger rausgehen würde, könnte sie ihre Schwester und die Mutter versorgen und schützen. Nachdem der Vater bei einem Minenunglück ums Leben kam, ist Katniss schnell erwachsen geworden und hat die Rolle des Familienversorgers übernommen.

Zusammen mit Katniss geht Peeta als Tribut von Distrikt 12 ins Rennen. Der Bäckerssohn hegt schon länger Gefühle für seine Mitstreiterin, ohne dass die beiden jemals ein Wort miteinander gewechselt haben. Doch kann das tatsächlich sein, oder sind diese Gefühle nur Show um bei den Zuschauern besser anzukommen? Aber warum sollte Peeta dann sein eigenes Leben riskieren um Katniss zu retten, wo doch nur einer von ihnen überleben kann?

Ich muss gestehen, dass dieser ganze Panem-Hype voll an mir vorbei gegangen ist. Ich wusste, dass es da eine Geschichte gibt, die plötzlich allen gefiel und jeder darauf gewartet hatte, dass endlich der letzte Film ins Kino kam. Als der erste Teil irgendwann mal im Fernsehen lief, habe ich durch Zufall reingeschaltet. So etwa 20 Minuten vorm Ende. Das war kein so cleverer Schachzug!
Aber obwohl es nur ein paar Minuten waren und ich den Anfang nicht kannte, war ich gebannt, interessiert und gefesselt. Also habe ich dafür gesorgt, dass ich alle Filme zu sehen bekomme. Ich habe so sehr gelitten, gebangt und auch geweint. Da war mir klar, dass ich die Bücher auf jeden Fall lesen will. Leider ist es immer ein bisschen blöd erst den Film/die Filme zu gucken. Dadurch hat man doch schon sehr viele Bilder im Kopf, die beim Lesen in einem ablaufen. Auf der anderen Seite ist man nicht gefrustet, dass man es sich doch eigentlich ganz anders vorgestellt hat. Es hat eben alles zwei Seiten.

Wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich mir nicht sicher, ob ich die Trilogie gelesen hätte, wenn ich die Filme nicht gekannt hätte. Es gibt doch das ein oder andere, was mich vom Weiterlesen sicherlich abgehalten hätte.

Zum einen ist da Katniss. Ja, sie hatte eine blöde Kindheit, ist auch jetzt noch nicht wirklich erwachsen, lebt in sehr schwierigen Verhältnissen (das Leben in Distrikt 12 ist hart) und hat nun nicht soooooo viel zu lachen. Aber das erklärt noch lange nicht, warum sie in diesem Ausmaß übellaunig, zickig und kalt ist. Man kann beim Lesen das Gefühl bekommen, dass sie keinen Spaß am Leben hat und auf alles und jeden einen üblen Groll hegt. Aber warum? Sie ist nicht der einzige Mensch in Distrikt 12 aber sicher einer der wenigen (wenn nicht sogar der einzige), der so drauf ist. Auch wie sie stellenweise mit Gale und Peeta umgeht, steigert ihre Sympathiepunkte bei mir nicht gerade.

Mir fehlt eine grundsätzliche Erklärung für Panem. Nordamerika ist nun Panem. Okay. Ganz Nordamerika? Gibt es andere Länder, die angrenzen? Wenn ja, was sagen die denn dazu, dass dort solche Spiele stattfinden? Warum behandelt das Kapitol die Distrikte stellenweise so schlecht, obwohl eigentlich alles im Überfluss da ist? Wie kam Präsident Snow an die Macht und warum versucht niemand ihn zu stürzen, sondern schaut sich mit an, wie jedes Jahr 23 Kinder/Jugendliche sterben müssen? Wie viele Menschen leben in Panem und in welcher Zahl sind sie in den einzelnen Distrikten vorhanden? Nach welchen Kriterien wurden die Distrikte geschaffen/eingeteilt und wo die jeweiligen Grenzen gezogen?

Es sind diese Fragen, die die Geschichte für mich etwas unrund laufen lassen. Das heißt nicht, dass mir die Idee nicht gefällt - ganz im Gegenteil - aber es hackelt hier und da dann doch etwas.

Der Schreibstil ist gut und lässt sich sehr flüssig weglesen. Auch wenn man die Filme vorher gesehen hat, bleibt das Buch trotzdem spannend und man erfährt ein paar Dinge, die so im Film nicht vorgekommen sind.

Fazit
Sicherlich hat dieses Buch so seine Schwächen, eine übellaunige und echt nervige Protagonistin und über viele Fragen den Hintergrund betreffend, wird nicht mal nachgedacht, aber andererseits ist es auch spannend und gut zu lesen, auch wenn man die Filme schon kennt. Mich hat dieser Umstand überhaupt erst dazu bewogen die Bücher nicht aus lauter Hass auf Katniss und ihre Art abzubrechen.

Wegen der Bewertung habe ich mir wirklich Gedanken gemacht. 3 Sterne finde ich eigentlich zu wenig, aber 4 an sich zu viel. Also ist 3,5 wohl der einzige Kompromiss - und da ich keine halben Sterne vergebe, runde ich auf 4 auf. Glück gehabt, Panem!

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